Archive for the ‘Sprache’ Category

Altpapier-Sammlung

27.Februar 2007

Als würden sich hier nicht genug Zeitungen stapeln, die zu lesen ich bisher noch nicht die Zeit hatte, lasse ich mich heute auch noch von perlentaucher.de verführen, loszufahren und eine FAZ zu kaufen. Nach diesem Beitrag dachte ich, da wäre ein Artikel über Daniel Radcliffe und Equus drin. War ja auch so- bloss war es eher ein Artikelchen, ernstzunehmen weder in der Länge noch im Inhalt noch im Stil. Bei Sätzen wie „Der als Einzelkind in London Aufgewachsene, der sich als schlechter Schüler bezeichnet […]“ (ok, das ist nur ein Satzteil, aber der wichtige) kommt mir die Galle hoch. Das ist klassisch das Hineinpressen irrelevanter Informationen in- ja, nichtmal in den Nebensatz, sie presst es in den Hauptsatz! Oder glaubt sie wirklich, er halte sich für einen schlechten Schüler, weil er ein Einzelkind war? Jedenfalls hätte die Dame besser mal Wolf Schneider gelesen (das ist übrigens keine Schleichwerbung für mich selbst, leider; Nur ein weiterer Namensvetter). Welches Buch dürfte egal sein, ich denke, dass man nur zusammengehörige Infos zwischen zwei Punkte packt steht in jedem davon. Und vielleicht steht da dann auch gleich irgendwo, dass „bezeichnen als“ mit dem Akkusativ steht. Heisst das reflexiv? Ist mir ehrlichgesagt egal, wie es heisst- aber spätestens, wenn man Geld für seine Texte bekommt, sollte man doch bitte wissen, was man tut. Bin ich zu streng? Wahrscheinlich. Aber ich hatte eben mehr von dem Artikel erwartet… Wo ich sogar meinen Parkplatz direkt vor dem Haus verloren habe, um ihn zu bekommen. Na, immerhin sind auch die Schokoladenvorräte wieder aufgestockt. Das tröstet ja über vieles hinweg.

Ach so, und noch etwas: Die FAZ ist ein sehr schöner Anblick. Eine Titelseite ohne bunte Bildchen, das wirkt so klassisch, schlicht und kompetent. Waren das noch Zeiten, als man das von der SZ auch behaupten konnte…

Unästhetische Wörter, Folge 3

17.Januar 2007

Vielleicht sollte ich mir abgewöhnen, die Krise zu bekommen, wenn ich das Wort „Telenovela“ höre. Aber es ist scheußlich! Darüber hinaus ist Verrückt nach Clara auch noch ein überaus bescheuerter Titel. Nichtsdestotrotz werde ich der Sache morgen abend eine Chance geben, denke ich. Der Plot hört sich doch eigentlich ganz nett an (reicht „ganz nett“ eigentlich, um einer Sache eine Chance zu geben!?) und das Interview mit Produzent Nico Hofmann in der Netzzeitung liest sich auch vielversprechend.

Es scheint meine abenteuerfreudige Woche zu sein in Sachen Fernsehen. Habe ich mir doch gestern abend schon Dr. House angeschaut, nachdem ich durch fernseherin darauf aufmerksam wurde. Ich mag Scrubs. Gelegentlich hätte man mich auch schon vor ER ertappen können. Aber Arztserien sind einfach nicht mein’s- Obwohl… Ganze Staffeln All Creatures Great and Small warten noch auf mich. Tierärzte sind etwas anderes.

Noch ein Wort, das ich nicht mehr hören kann ist übrigens „Klimaerwärmung“. Nicht, weil ich leugnen möchte, daß es sie gibt. Aber weil es zum Einen unserem Klima wenig hilft, betroffen zu tun und weil wir zum anderen, auch wenn wir sie beschleunigen, sie bestimmt nicht so sehr beschleunigen, daß wir es von einem Jahr auf’s andere merken würden. Milde Winter gab es schon immer. Immer wieder mal. Ist ja schön, wenn es den einen oder anderen aufrüttelt, aber blinde Panikmache hilft gar nie niemand nicht. Hmpf.

Ach, und fernsehtechnisch habe  ich noch eine schreckliche Entdeckung gemacht: Auf Kabel 1 kommt spät des Nachts Das Model und der Schnüffler! Seit Jahren warte ich schon darauf und jetzt habe ich wahrscheinlich das Meiste schon verpaßt. Ein Trauerspiel. Doch. Wirklich.

Übersetzungen

10.Januar 2007

Über Übersetzungen zu schimpfen ist ja eine sehr beliebte Taktik, um intelektuell zu wirken. Es heißt im Grunde nichts anderes als „Ich könnte das besser.“ Bei mir ist das was anderes, ich bin intelektuell und wenn ich schimpfe, dann könnte ich es auch besser. Mich läßt bloß leider niemand. Was mich aber wirklich erschüttert, ist, wenn einem ein Buch das Gefühl vermittelt, schlecht übersetzt zu sein, obwohl man die Original-Sprache gar nicht beherrscht. Ich lese im Moment Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow und so sehr es mir von der Handlung her gefällt, so sehr stört mich die Sprache. Vielleicht liegt es auch an meiner untypischen Unlust zu lesen, ich weiß es nicht. Jetzt schleiche ich schon so lange um die Wächter-Serie von Sergei Lukjanenko herum, weil die angeblich so schlecht übersetzt ist, bloß um dann mit Bulgakow in dieselbe Falle zu tappen? Das ist nicht fair. Aber ich kann jetzt nicht auch noch russisch lernen. Wirklich nicht.

Luststock

7.Januar 2007

Wieder etwas gelernt. Zufällig bin ich auf Gernot Katzers Gewürzseiten gelandet und habe bei der Gelegenheit geschaut , ob man aus Latschen nicht doch Brot machen kann. Oder aus Kiefern. Doch Fehlanzeige. Niemand scheint sie essen zu wollen; Ausser unseren Pferden, natürlich. Jedenfalls bin ich, im Index das L überfliegend, über das Wort „Luststock“ gestolpert. Dahinter verbarg sich Liebstöckel, zu meinem Leidwesen auch bekannt unter dem Namen „Maggi-Kraut“. Eine Pflanze nach einer künstlichen Substanz zu benennen finde ich barbarisch, vor allem, wenn es sich um eine Substanz handelt, die ich nicht mag. Noch mehr, wenn sie schon so wunderschöne Namen haben, wie den neu erlernten Luststock. Und gleich noch eine Lektion: Daß man bei Ciao! auch Kräuter bewerten kann, das wußte ich auch nicht. Hier eine wenige begeisterte Bewertung: Der Luststock ist ein Fruststock. Mir gefällt schon alleine das Wort so, daß ich demnächst auch von der Pflanze mehr verzehren werde. Es ist ja ohnehin Suppenzeit.

Das Sex-Appeal von Büchern

30.Dezember 2006

Wow. Ich stolpere gerade mal wieder durch fremde Blogs und diesen Satz muß ich zitieren, er ist zu schön. mandarine beschreibt, wie sie ihrem Bruder zu Weihnachten e-Books schenkt und wie das nicht so richtig ankommt: „our culture is still too materialistic to appreciate the quintessential soul of books when devoid of their sexy cellulose flesh“. „Die innerste Seele von Büchern schätzen, wenn sie ihres anziehenden Zellstoff-Körpers beraubt sind“ klingt nicht halb so gut, oder? Aber bemerkenswert schön ist es so oder so.

Unästhetische Wörter, Folge 2

22.Dezember 2006

Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. hat die Wörter des Jahres gekürt. Das halte ich für eine grobe Fehlentscheidung und hätte gerne eine ausführlichere Begründung als die bloße Definition in der Presseerklärung. Was ich scheußlich finde an dem Wort: a) ist es eine Mischung aus Deutsch und Englisch, was mich im täglichen Sprachgebrauch nicht weiter stört, ich bin da recht liberal, für manches sind Anglizismen und Fremdwörter einfach viel naheliegender als krampfhaft nach einem deutschen Wort zu suchen- aber eine Gesellschaft für deutsche Sprache SOLLTE sich daran stören, finde ich und zu verlangen, daß ein deutsches Wort des Jahres auch wirklich deutsch ist, ist wohl kein übertriebener Nationalismus. Mehr als der englische Wortteil alleine stört mich eigentlich noch die Mischung zweier Sprachen in einem Wort. *schauder* b) Stört mich die Meile. Die Fans haben sich ja kaum brav in einer Reihe aufgestellt und die wenigsten Versammlungsplätze waren Straßen- Plätze waren ja wohl um einiges beliebter. Das sollte sich doch in einer treffenden Wortschöpfung widerspiegeln. c) Ist das Wort optisch höchst ungünstig. Beim bloßen Überfliegen eines Textes liest man unwillkürlich „Familie“ und kapiert gar nichts mehr. Alles in allem also keine gute Wahl. Ich beantrage einen Platz in der Jury, um so etwas nächstes Jahr verhindern zu können.

Eine andere Gesellschaft gleichen Namens

20.Dezember 2006

Ich frage mich, was die Fraunhofer Gesellschaft (wie war das noch? Auf welche Seiten darf man da verlinken oder auch nicht!?) dazu sagt, daß sich der Fachverband für Homosexualität und Geschichte genauso abkürzt, wie sie. Nun, es ist ja einmal der FHG und einmal die FHG. Vielleicht reicht das ja an unterscheidenden Merkmalen.

Was Wölfe erschüttert

20.Dezember 2006

Ausnahmsweise ungefragt Wolfsinformationen. Eben lese ich ältere Mitteilungen von Animal Health Online auf, wundere mich über einen Landwirt, der seine Tiere erst so vernachlässigt, daß sie beschlagtnahmt werden, sie dann aber mit Axt und Eisenstange gegen die Polizisten und eine Passantin (?) verteidigt. Was mich allerdings mehr betrifft: Die Meldung „Sinkende Schafbestände in der EU„. Oh mein gütiger Gott! Als großer Beutegreifer ist man für seine Nahrung doch verantwortlich… Also: Tut etwas! Alle! Laßt die Schafbestände nicht sinken! Spielt Land Unter!

Sei ein Hengst!

7.Dezember 2006

Wunderbar. Jetzt kommen schon Menschen übder die Suchmaschinen, die Lebensmitteldiscounter in Freising suchen. Als müßte man die suchen- sie schießen an allen Ecken und Enden aus dem Boden wie Pilze… Unterhaltsamer als die Blogstatistik heute mal wieder der Spam. „5 inches is not enough“ und „Be a stallion in the bedroom“. Da machen sich also immer noch Leute Gedanken um mein Sex-Leben. Oder Bots, wer auch immer. An dieser Stelle: Herzlichen Dank für das Interesse, aber: Nein Danke. Und wer diese ewigen Pferdemetaphern bemüht, sollte a) wissen, das „stallion“ eine reine Geschlechtsbezeichnung ist und mit der sexuellen Leistungsfähigkeit wenig zu tun hat (Zuchthengst heißt „stud“) und b) mal einem solchen beim fraglichen Akt beobachten und sich Gedanken machen, ob das bei Frauen wirklich gut ankäme. Nicht bei denen, die ich kenne, da bin ich mir sicher.

Auch oft für einen Lacher gut, deshalb noch immer von mir abonniert: Der Newsletter von Animal Health Online. Der meldete gestern: „Fischgeflügel häufig mit Salmonellen und Campylobacter infiziert„. Das erschüttert mich schwer. Wo Fischgeflügel bestimmt ohnehin mit sämtlichen Fisch- und Vogelkrankheiten zu kämpfen hat, gerade in diesen schweren Zeiten der Vogelgrippe, ist es nun auch noch mit bösartigen Mikros verseucht. Rettet das Fischgeflügel! Jemand sollte eine Initiative gründen. Da ich schon im Schutz der Pelzreptilien aktiv bin, muß ich leider zurückstecken.

Maskulinistische Sprachkritik

1.Dezember 2006

Da geht es ja nämlich schon los- es gibt kein männliches Gegenstück zu „feministisch“. Natürlich gibt es eine Männerbewegung. Zumindest behaupten viele das und es werden Bücher und Comics darüber geschrieben und Filme gedreht und in irgendwelchen Wäldern wird angeblich auch geschrien. Aber das nimmt doch kein Mensch ernst.

Frauen sind und bleiben die unterdrückte Minderheit und auf diesen Status sind Männer, die sich „bewegen“ wollen doch nur neidisch. Ja. Genau. Deswegen gibt es „maskulinistisch“ nicht. Vielleicht kommt noch hinzu, daß Männer sich nicht so gewählt ausdrücken wie Frauen. Man betrachte zwei klassische Geschlechterdomänen (zumindest waren sie das zu Zeiten der Begriffsbildungen wahrscheinlich), Fußball und Nähen. Was sind „Ecke“, „Tor“ und „Strafstoß“ gegen „Verstürzen“, „Auftrennen“ und „Wattieren“? Prosaisch, genau. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus, die Feststellung, daß eine Männerbewegung, wenn es eine ernstzunehmende gäbe, bestimmt nicht „Maskulinismus“ hieße, ist hier nur Nebenprodukt.

Eigentlich geht es darum, daß ich nach einer Parallel-Bildung zur Englischen/Amerikanischen „Fag-Hag“ oder dem deutschen „Schwulenmuttchen“ gesucht habe. Genauso, wie es Frauen gibt, die sich gerne mit Schwulen umgeben, gibt es doch schließlich auch Männer, die sich gerne mit Lesben umgeben. Nun ja, vielleicht nicht „genauso“, immerhin macht die Durchschnittslesbe dem Durchschnittsmann vermutlich mehr Angst als die Durchschnittsfrau, während die Durchschnittsfrau vom Durchschnittsschwulen höchstens zu befürchten hat, daß er ihr den Mann ausspannt. Egal. Trotzdem müßte es genug solche Männer geben, um einen Begriff für sie zu rechtfertigen. Ich erwarte Vorschläge!